WIR ÜBER UNS G.A.Röders

G.A.Röders wurde 1814 gegründet. Seitdem wird das Unternehmen von seinen Inhabern geführt, inzwischen in der 6. Generation.
Seit 1923 produzieren wir Teile aus Zink, seit 1933 aus Aluminium und seit 1936 aus Kunststoff.

200 Jahre Erfahrung
im Guss

Seit 200 Jahren produziert Röders Gussprodukte. Was einst als kleine Werkstatt für Zinnguss anfing, ist heute ein internationaler Zulieferer mit drei Werken in zwei Ländern.

500 Mitarbeiter

Mit 500 Arbeitskräften produzieren wir Werkzeuge, Gussteile und Fertigprodukte. Über 15 Ingenieure und Ingenieurinnen unterstützen die Arbeit. 10 Mitarbeiter in der Konstruktion sorgen für eine erfolgreiche Produktumsetzung.

2000 Produkte

Über 2.000 Produkte wurden erfolgreich umgesetzt und werden von kleinen bis großen Stückzahlen gefertigt. Jedes Produkt erweitert unseren Erfahrungsschatz und unser Wissen über die Prozesse.

Kontakt     Tel. (+49) 5191  809 0

Wir uber uns

Von der Vergangheit
bis in die Zukunft

die Vergangenheit

1814 gründet Jasper Röders die Firma als Familienbetrieb. Unter seinem Sohn Georg Andreas Röders erhält diese den Namen G.A.Röders. Mit Georg Röders und danach Albrecht und Hermann Röders wurde die Familientradition fortgesetzt. Heute sind Andreas und Gerd Röders die Geschäftsführer, die die Firma von Ihren Vätern Jasper und Eckhart übernahmen. Die Firma Röders Tec wurde 1968 ausgegründet und von Jürgen Röders geführt.

unsere Beschäftigten

Als eigentümergeführtes, mittelständisches Unternehmen betrachten wir die Beschäftigten als die zentrale Grundlage für unseren Erfolg. Deswegen bilden wir junge Menschen aus, ermöglichen Weiterbildung, und unterstützen örtliche Kultureinrichtungen. Über 200 Menschen haben bereits eine Berufsausbildung bei uns absolviert und viele der Menschen konnten durch ihre Arbeit nicht nur zum Erfolg beitragen, sondern auch ein sicheres Einkommen für sich und die Familie erzielen.

die Zukunft

Die industrielle Ausbildung, egal ob mit einer Lehre oder angelernt, zum Beispiel an einer hoch komplexen Maschine gehört zu den Kernaufgaben, um eine Firma wettbewerbsfähig zu erhalten. Menschen, die an der Zukunft mitarbeiten wollen, die stolz auf Ihre Produkte und ihr Wissen sind. Die immer bereit sind mehr zu lernen und Neues zu wagen, werden bei G.A.Röders gesucht.

Meilensteine der Firmengeschichte
  • 1814 Gründung als Handwerksbetrieb
  • 1912 weltweit einziger Fertiger von Faßhähnen
  • 1923 erste Zink Druckgussmaschine
  • 1933 Beginn der Aluminium Druckgussfertigung
  • 1936 Aufnahme der Kunststoff Spritzguss Fertigung
  • 1956 60% Marktanteil bei Kameragehäusen aus Aluminium Druckguss in Deutschland
  • 1963 erster Hersteller von Kunststoff für Nutzfahrzeugbremsen
  • 1969 Kameragehäuse und Kunststoffteilchen im Apollo 11 Programm
  • 1975 erster Druckgießer mit Zulassung für den zivilen Flugzeugbau
  • 1996 Einführung CAD/CAM CNC Fertigung im Werkzeugbau
  • 1997 Gründung von Mesit & Röders
  • 2001 Zertifizierung nach TS 16949
  • 2017 Gründung Standort Weiher
  • 2017 Erweiterung Standort Mesit & Röders in Tschechien
  • 2018 Zertifizierung Energiemanagement ISO 50001
  • 2018 Zertifizierung DIN/ISO 9100 (ziviler Flugzeugbau) 
Meilensteine im Umfeld
  • 1827 Friedrich Wöhler stellt erstmals Aluminium im Labor her. Es ist teurer als Gold
  • 1892 Druckguss erstmals außerhalb der Setzmaschinen angewandt
  • 1914 erster Aluminium-Druckguss
  • 1921 Arthur Eichengrün mit erster modernen Spritzgießmaschine zur Kunststoffverarbeitung
  • 1928 erste Hydraulische Druckgussmaschine in Prag vorgestellt (Pollack)
  • 1940 Nylonstrümpfe in den U.S.A.
  • 1962 Du Pont mit erstem Polyacetalharz
  • 1991 Bühler mit echtzeitgeregelter Druckgussmaschine
  • 1994 Audi Spaceframe – Beginn der Aluminium Strukturbauteile
  • 2006 Tesla Roadster als erstes e-Serienauto vorgestellt
  • 2011 Google Patent zum autonomen Fahren
  • 2019 Volkswagen ID3 vorgestellt

 

politische Meilensteine
  • um 1810 politische Verwerfungen führen dazu, dass Soltau Grenzstadt wird
  • 1815 Niederlage Napoleon bei Waterloo
  • 1871 Gründung Deutsches Reich
  • um 1880 Ausbau der B3 von Hannover nach Hamburg zur gepflasterten Chaussee
  • ab 1885 Ausbau der Eisenbahn nach Soltau
  • 1896 Gründung der Gas-Anstalt Soltau
  • 1914-1918 Erster Weltkrieg
  • 1921 Elektrischer Strom in Soltau
  • 1929 Weltwirtschaftskrise
  • 1933-1945 Nationalsozialismus in Deutschland
  • 1939-1945 Zweiter Weltkrieg
  • nach 1945 vergrößert Soltau sich von ca. 6.000 auf fast 20.000 Bewohner durch die Flüchtlinge 
  • ab 1958 Bau der Autobahn A7 nach Hamburg und Hannover
  • 1973 Ölkrise
  • 1989 Fall der Mauer und anschließende Wiedervereinigung. Ein neues freies Europa entsteht
  • 2020 Wirtschaftskrise durch Corona-Pandemie

Über uns

Von 1814 bis heute

G.A.Röders wurde 1814 gegründet. Seitdem wird das Unternehmen von seinen Inhabern geführt, inzwischen in der 6. Generation. Seit 1923 produzieren wir Teile aus Zink, seit 1933 aus Aluminium und seit 1936 aus Kunststoff.

Heute liefern wir anspruchsvolle Teile für eine anspruchsvolle Kundschaft. Diese Fähigkeit erarbeiten wir uns täglich neu durch kontinuierliche Verbesserung unserer Abläufe. Das Know-how entwickeln wir durch vielfältige Anwendungsforschung in Zusammenarbeit mit Universitäten und Instituten. Zum Nutzen unserer Kundschaft.

Unser eigener Werkzeugbau gibt uns Flexibilität. Und sichert unsere Kompetenz. Er ermöglicht uns schnelle Reaktionen und kurze Durchlaufzeiten. Wenn es darauf ankommt, sind wir für Sie da.

Natürlich verpflichtet die Zertifizierung nach IATF 16949. Aber erst die konsequente Umsetzung der internationalen Standards macht aus einem Familienunternehmen einen Partner der Automobilindustrie. Und sichert die Qualität. Nicht nur bei uns, sondern auch bei unserer Lieferantschaft.

Kleine Serien sind unsere Stärke. In der Luftfahrt, in der Medizin oder auch in der Messtechnik. Und bei Premiumfahrzeugen der Automobilindustrie. Wir kümmern uns um Sie. Von Anfang an.

Große Serien kommen von uns aus Tschechien. Zu günstigen Preisen. In der gewohnten Qualität. Mit Unterstützung von G.A.Röders wird aus Ihrem Projekt ein Erfolg. Denn wir arbeiten nicht nur für Sie, sondern mit Ihnen.

Maschinen kann man kaufen, Technologie jedoch nicht. Dafür braucht man qualifizierte Mitarbeiter. Deswegen wird bei G.A.Röders großer Wert auf eine gute Ausbildung gelegt. Bei uns sind Mitarbeiter keine Kosten, sondern eine Investition in die Zukunft. Und das seit 200 Jahren.

Röders History

Unsere Geschichte zum Nachlesen

Röders History - Wie alles anfing

Wahrheit ist das, woran man glaubt.

Wie alles anfing.

Schon der Anfang der Firma ist umstritten. Hinrich Röders datiert diesen vor 1800 und begründet ihn mit einem alten Zinnteller aus seinem Familienbesitz. Eckhart Röders datiert diesen um 1815 herum und begründet dieses mit dem Alter des Firmengründers Jasper Röders (1783- 1870). Soltau war damals eine Grenzstadt zwischen dem Königreich Westfalen und Frankreich. Die Grenze befand sich am Ufer der Böhme, dort wo heute die Volksbank ist und es war verboten, diese ohne Passierschein zu passieren. Auf der französischen Seite wurden die jungen Männer zwangsverpflichtet zu den Soldaten. Viele starben unter Frankreichs Fahne auf dem Feldzug in Russland. Jasper Röders entzog sich dieser Verpflichtung, indem er sich mindestens einige Tage hinter dem großen Brotbackofen der Eltern seiner Freundin und späteren Frau Anna Cathrine Tödter versteckte.
Aber die französische Besatzung hatte auch ihre guten Seiten. Unter Napoleon herrschte die Gewerbefreiheit. Alte Regeln der Zünfte waren aufgehoben. So konnte Jasper Röders das Zinngießergewerbe ohne Meisterbrief von seinem verstorbenen Patenonkel Gerber übernehmen, der keinen Nachfolger hatte. Auch in anderen Dingen befreite Napoleon Europa von einem verkrusteten Denken, das zu Stillstand und Not führte, so wurde zum Beispiel zum ersten Mal ein verbindliches Gesetzbuch eingeführt, an das sich jeder zu halten hatte. Nachdem die Franzosen aber vertrieben wurden, erlaubte man den Menschen in ihren Berufen zu bleiben und schraubte die Zeit nicht ganz zurück.
Jasper Röders begann daher mit dem Zinnhandwerk. Er arbeitete in einer kleinen Werkstatt, in der er auch mit seiner Frau lebte, die er am 07.02.1815 geheiratet hatte. Bald kamen drei Kinder zur Welt. Georg Andreas, nach dem die Firma benannt ist, am 27.01.1816, Anna Catherine Dorothea geboren am 27.10.1820 und Hans Friederich Christoph geboren am 13.08.1824, der bereits am 17.07.1847 in der Böhme ertrank.
Es gab damals in den Städten von der Größe Soltaus viele Zinngießer, denn das Geschirr war in der Regel aus Zinn. Glas wurde nur handgeblasen hergestellt und auch Porzellan war sehr teuer. So aß und trank man vom Holz oder eben vom Zinn. Jasper Röders verlieh auch für große Feste Zinngeschirr und handelte, wie zuvor seine Eltern mit Honig, Wachs und Stoffen. Man kann daher noch nicht wirklich von einer Firma sprechen, aber der Grundstein war gelegt.

Röders History - Die erste Werkstatt

Ein wirklicher Familienbetrieb.

 

Die erste „Werkstatt“ des Zinngießers Jasper Röders befand sich in der Marktstraße in etwa wohl dort, wo heute die Zufahrt zur Felto ist oder direkt daneben. Es gibt eine Beschreibung von Caroline Röders, wie diese erste Werkstatt, die ja noch keine Fabrik war, ausgesehen hat:

„Georg Andreas Röders (der Sohn von Jasper Röders) besaß damals ein sehr kleines Haus. Ich sah es nie, aber aus den Erzählungen meines Mannes kenne ich es so genau, dass ich mir lebhaft ein Bild davon machen kann, wie es war. Die vordere Seite des Hauses war nur eine Haustür und ein kleines Fenster, rechts eine Stube mit Zweifachfenstern. In der Mitte zwischen den Fenstern stand ein Klapptisch, an dem gegessen wurde. Neben diesem Zimmer die Schlafkammer, wo der Großvater (Jasper Röders) und die Großmutter (Anna Catherine geb. Tödter) schliefen und in die eine Tür von der Wohnstube hinein führte. Dann kam links die Küche. Durch diese ging es in die Werkstatt. Altes Zinn wurde in der Küche zusammengeschmolzen. Die Werkstatt war nur klein. Es wurden größtenteils zinnerne Teller, Schüsseln, Löffel, Kaffeekannen, Wärmeflaschen, Soldaten, auch Knöpfe gegossen. Letztere zog die Großmutter mit Georg und Doris (den Kindern von Georg Andreas Röders) und allen Kindern der Nachbarschaft großweise auf einen Bindfaden. Dabei erzählte Großmutter Märchen im Winter und im Ofen wurden Äpfel geschmort, die den Kindern dann köstlich schmeckten. Großmutter, aus Tiegen gebürtig, liebte Kinder sehr. Sie saß meist hinter dem Ofen und spann. Sie war eine sehr gottesfürchtige, fromme Frau. Des Sonntags spann sie nicht, dann las sie immer im Gebet- oder Predigtbuch. Das Spinnen war für ihren alten steifen Körper durch das Treten eine sehr gesunde Bewegung und hielt ihre Blutzirkulation in Gang. Wenn einmal zwei Festtage waren, klagte sie: „Ach wenn ich doch erst wieder spinnen könnte und es erst wieder Alltag wäre!“ Dann kam ein Weihnachten des Jahres 1864, da hatten wir einen Sonntag und zwei Weihnachtstage hintereinander, so dass sie 3 Tage nicht spinnen konnte. Den dritten Tag saß sie wieder im Lehnstuhl und schlief, und schlief sanft ein, um nicht wieder zu erwachen. Unter Ihrem Tod litt ihr Mann, der Großvater Jasper, sehr. Als er dann auch noch durch einen unglücklichen Sturz seinen Arm brach und dadurch auch die einzige Zerstreuung, die Arbeit, ihm auf längere Zeit genommen wurde, wurde er ganz schwermütig und starb bald. Er starb 5 Jahre nach dem Umzug in das neue Haus Unter den Linden.“

Die ersten Jahre war unsere Firma also ein wirklicher Familienbetrieb. Drei Generationen arbeiteten und lebten zusammen in engsten Verhältnissen. Die Waren wurden in Soltau und der Umgebung verkauft. Teilweise brachte Jasper diese mit dem Rucksack bis nach Hamburg. Er brach am Samstag sehr früh morgens auf und kehrte am Sonntag pünktlich zum Gottesdienst zurück.

Für eines sorgten jedoch Jasper und seine Frau, dass der Sohn Georg-Andreas eine gute Ausbildung als Zinngießer erhielt. Dafür musste er Soltau verlassen … aber dazu mehr in der nächsten Ausgabe.

 

Röders History - Krisen überstehen

Krisen aus alten Zeiten.

 

Als kleiner Junge sind Väter oft die Größten. So war es auch bei mir, nicht nur weil mein Vater mit einem Meter achtzig wirklich groß war sondern weil er einfach alle Probleme in meinem Leben lösen konnte und anscheinend selber nie welche hatte. Und so war ich mehr als erstaunt, als dieser riesige Mann eines Morgens langsam die Treppe herunterkam und dann vor mir bewusstlos zusammensackte. Er war noch keine 40 Jahre alt.

Natürlich machte sich die ganze Familie große Sorgen um die Gesundheit, denn auch mein Großvater hatte einen Herzinfarkt in jüngeren Jahren erlitten. Bei meinem Vater konnten die Ärzte nichts finden was ihn krank machte, denn die einzige Krankheit die mein Vater hatte, war die Sorge um die Firma.

Durch den zweiten Weltkrieg war die Firma in eine schwere Krise geraten und bis zum Eintritt der damaligen Junioren Mitte, der fünfziger Jahre, wurde fast kein Geld verdient. Man war froh wenn die Familien überhaupt ernährt werden konnten.
Das sogenannte Wirtschaftswunder, der Fleiß und die Erfindergabe der Besitzer und ihrer Mitarbeiter ließen die Firma in den Jahren zwischen 1955 und 1966 stetig wachsen und gaben Raum, um neue, dringend notwendige Maschinen kaufen zu können. Während man sich im Kunststoff langsam von den Haushaltsartikeln, wie Salzstreuern und Wäscheklammern, zu trennen begann, hatte man im Druckguss mit der Fertigung von Kameragehäusen ein gutes Produkt.

Die ganze Welt wollte damals Fotoapparate aus Deutschland kaufen. Leica, Rollei und Voigtländer waren so begehrt wie VW, Mercedes-Benz und BMW heute. Unser größter Kunde war die Firma Voigtländer aus Braunschweig, ein Hersteller von Fotoapparaten. Über 6000 Mitarbeiter entwickelten und bauten die weltweit besten Kameras für normale nicht professionelle Menschen. Vito 1 und Vito 2 waren Produkte mit hohem Absatz und die Gehäuse kamen ganz überwiegend aus Soltau.

Leider hatten die Entwickler unterschätzt was sich in Japan abspielte. Dort wurden Kameras mit automatischem Belichtungsmesser und automatischer Scharfstellung entwickelt. Dinge, die die Deutschen Hersteller überflüssig, ja nachteilig fanden, denn nun benötigten die Apparate Batterien. Die Käufer entschieden sich jedoch für diese japanischen Kameras und in wenigen Jahren verschwand fast die gesamte Kameraindustrie aus Deutschland. Statt Voigtländer und Rollei wollten nun alle Menschen Canon oder Nikon, die Marken aus Japan.

Röders machte 60% des Umsatzes im Druckguss mit Kameras der in wenigen Jahren praktisch auf Null zusammenbrach und die Firma an den Rand der Insolvenz trieb. Über Jahre mußte wieder eisern gespart werden und für manche sinnvolle Anschaffung fehlte das Geld. Aber die Firma überlebte.

Ähnliches passierte erneut um 1992. Schon vor der Wiedervereinigung wuchs die Wirtschaft kräftig, aber nach dem Fall der Mauer schienen alle Ketten gesprengt und in der Firma wusste man kaum, wohin mit den ganzen halbfertigen Teilen. Es wurden Gebäude in Wolterdingen gemietet und der Neubau geplant und durchgeführt. In anderen Ländern wie z.B. in Italien lief die Wirtschaft nicht so gut wie in Deutschland und so wurde die italienische Währung um 30% abgewertet. Damit waren Waren aus Italien, dem zweitgrößten Produzenten von Druckguss, plötzlich um 30% günstiger. In dieser Zeit verloren wir erneut unseren damals größten Kunden die Firma VDO und verkauften innerhalb eines Jahres 50% weniger Teile. Die Folgen waren brutal. Wir mussten uns von Mitarbeitern trennen und radikal sparen, erneut gab es die Sorge in der Familie vor der Zukunft der Firma.

Diese Krise endete erst mit unserer neuen Firma in Tschechien und der Einführung des Euro. Seitdem konnte die Firma mit kleinen und größeren Störungen wachsen. Die Finanzkrise in 2009 warf uns zurück und bis 2013 mussten die Verluste aus dieser kurzen Krise zurückbezahlt werden. Dann um 2018 begann der Wandel in der Automobilindustrie. Gleichzeitig, während wir in Soltau und Tschechien unsere neuen Hallen gebaut haben, stürzte die Automobilindustrie in eine tiefe Krise. Autos wurden nicht zugelassen, die Politik forderte den elektrischen Antrieb und junge Menschen standen auf der Straße, um gegen den Klimawandel zu protestieren. Nur langsam bewegte sich etwas in der Automobilindustrie.

Auch viel früher gab es Krisen zu überstehen. Die Firma war vor 200 Jahren ja wenig mehr als ein kleiner Handwerksbetrieb, der Zinnteller und Becher herstellte. Das Porzellan führte zu einem Einbruch im Bedarf nach Zinn. So wurde Röders zum Hersteller von Fasshähnen für Bier und Weinfässer. Diese wiederrum verloren ihre Bedeutung vollständig mit der Einführung der industriell gefertigten Flasche. Der Preisdruck, der dadurch entstand, führte zunächst dazu, das Druckgussverfahren einzuführen und später auch den Kunststoffspritzguss. Das alles half nicht den Fasshahn zu retten, aber er bereitete den Weg für neue Technik, insbesondere der oben beschriebenen Kamerafertigung.

Auch G.A.Röders hat in Zeiten der Krise immer vor schwierigen Entscheidungen gestanden und oft war es unternehmerisches Geschick und auch Glück, dass die Firma nach der Krise jeweils gestärkt und mit neuen Ideen weitermachen konnte. Nun hat uns die Coronakrise mitten im Wandel der Automobilindustrie getroffen und stellt uns erneut vor Herausforderungen.
Wir müssen weiterhin den Markt beobachten. Wie entwickelt sich das Auto, wann wird sich die Flugzeugindustrie erholen und was benötigt die Medizintechnik für Teile. Welche Kunden können wir ausbauen, von welchen erwarten wir keine Zukunft. Wir haben Glück, denn neben den verschiedenen Bereichen PKW, LKW, Luftfahrttechnik und Medizintechnik verfügen wir auch über verschiedene Verfahren wie Druckguss, Spritzguss und Werkzeugbau. Die Bereiche, die heute gut laufen, müssen jetzt die Bereiche unterstützen, die schlecht laufen. Und jeder für sich, muss sich ständig verbessern.

Und auch um die Mitarbeiter müssen wir uns kümmern. Wie finden wir die besten Auszubildenden? Wie erhalten und fördern wir die Bildung und Weiterbildung unserer Mitarbeiter? Wie beantworten wir neue Wünsche für die Arbeitswelt? Eine Firma ist ein komplexes Gebilde und es braucht viel Kraft, Mut und Freude an der Arbeit, um dieses Gebilde am Leben zu erhalten und zu entwickeln. Wir wissen, wie viele schwere Krisen die Firma überstanden hat. Das macht uns Mut auch diese sehr schwere Krise zu überstehen – diesen Mut werden wir brauchen!

 

Röders History - Über das Reisen

Eine Reise in die Vergangenheit.

 

Das Reisen ist in Coronazeiten schwierig. In „normalen Jahren“ sind Andreas Röders oder ich fast jede Woche ein oder zwei Tage unterwegs. Ich kenne gefühlt fast jeden Bahnhof in Deutschland und Andreas fliegt oft zu Kunden nach England oder Frankreich und ist daher mit den Flughäfen vertraut. Das alles ist seit 2020 schwierig. Grund genug über das Reisen in früherer Zeit nachzudenken.

Während der Gründung der Firma gab es in und nach Soltau weder eine gepflasterte Straße noch einen Bahnanschluss. Schon deshalb wurden die meisten Erzeugnisse der alten Zinngießerei (Teller, Becher, Knöpfe) in der näheren Umgebung verkauft. Georg Andreas Röders war ein großer Wanderer. Er nahm die in Soltau gefertigten Produkte mit einem Rucksack mit. Zu Fuß wanderte er bis Harburg, um dann mit dem Schiff nach Hamburg zu fahren. Dort verkaufte er die Ware und war am nächsten Abend wieder in Soltau zurück. Er verkaufte dabei nicht nur Zinn, sondern auch Heidehonig, Bauernbrot, Schinken und Mettwurst.

Gleich drei Jahre ging Georg Röders von 1865-1868 auf Wanderschaft, nachdem er seine Zinngießerlehre abgeschlossen hatte. Diese Wanderschaft, bei der er immer wieder bei verschiedenen Zinngießern arbeitete, brachte ihn bis nach Delitzsch bei Leipzig. Er war auch in Berlin und wollte in die Schweiz, dort wurde ihm die Einreise verboten. Zu Georgs Zeit wuchs die Firma rasant. Man stellte nicht mehr Zinngeschirr, sondern überwiegend Fasshähne her. Der Markt war nicht mehr lokal begrenzt, sondern international. Mittlerweile gab es in Soltau einen Eisenbahnanschluss (Eröffnung 1896). Georg Röders saß bei der Eröffnungsfeier mit am Bankett. Für den Vertrieb hatte die Firma Handelsvertretungen. Diese betreuten die Kunden in ihrem jeweiligen Gebiet und steuerten den Verkauf. Wurden im Jahr 1880 insgesamt knapp 8.000 Fasshähne gefertigt, so waren es um 1899 bereits 120.000 Stück.

Die Handelsvertreter besuchte Georg regelmäßig. Die Reisen waren beschwerlich und 1902 stürzte er auf einer Reise in dem dunklen Flur eines Exporteurs und brach sich den Hüftknochen. Es begannen schmerzvolle Jahre und letztendlich verstarb Georg 1910 an den Folgen des Sturzes. Um 1910 gab es in Deutschland etwa 10.000 Automobile und 16.000 Motorräder. Die meisten Menschen verbrachten ihre Reisen mit der Bahn oder mit der Kutsche. Um die Jahrhundertwende wurde auch das Fahrrad entwickelt. Eines der ersten Fahrräder in Soltau, ein Hochrad, besaßen die Besitzer von G.A.Röders und erregten damit einiges Aufsehen. Das Telefon wurde ebenfalls in dieser Zeit erfunden, aber natürlich dauerte es noch Jahre, bis es in der Firma verfügbar war. Die Kommunikation mit den Kunden wurde über Briefe geführt, die gerne einige Tage unterwegs waren.

Die nächste Generation, Albrecht und Hermann Röders war schon sehr viel reisefreundlicher. Eine Auslandserfahrung machten beide Brüder als Soldaten im ersten Weltkrieg. Später, in den goldenen zwanziger Jahren gibt es Berichte von Hermann Röders, wie er als Student in den Ferien nach Rom gefahren ist und sehr beeindruckt davon war.

In dieser Zeit war die B3 für den Individualverkehr vollständig ausgebaut. Im Rahmen der Errichtung des Truppenübungsplatzes wurde sie 1936 bei Wardböhmen verlegt und auf die heutige Trassenführung verändert. Es gab in Deutschland um 1940 noch keine 500.000 Autos und nur knapp 600.000 Motorräder. Sowohl Albrecht als auch Hermann Röders besaßen keinen Führerschein. Die Kundenreisen unternahmen Sie üblicherweise an jeweils zwei Wochen einmal im Frühjahr und einmal im Herbst. Dann fuhren sie mit der Bahn quer durch Deutschland und besuchten alle wichtigen Kunden. Bei diesen Gesprächen wurden sowohl technische Gespräche geführt als auch Aufträge, oft für ein ganzes Jahr, an uns vergeben. Das Telefon kam nun auch nach Soltau. Immerhin gab es 1936 ca. 2 Mio. Hausanschlüsse in ganz Deutschland.

In der Firma wurde irgendwann ein Auto angeschafft. Angeblich war es ein VW Käfer, der erst nachdem er 400.000 Km gefahren war, ersetzt wurde. Da die beiden Geschäftsführer keinen Führerschein besaßen, wurde auch ein Fahrer angestellt. Es gehört zu den schönen Kindheitserinnerungen von mir, wenn mein Vater von Herrn Schröder abgeholt wurde. Er war der Fahrer und kam immer mit einem grauen Anzug gekleidet und einer Mütze mit Sonnenschutzschirm. Am Freitag wurden die Firmenwagen getankt und geputzt. Wenn Herr Schröder Zeit hatte, durfte ich dort mein Fahrrad reparieren lassen. Später war es mir unangenehm, denn ich wusste als junger Mann überhaupt nicht, wie man ein Fahrrad repariert. Weiterhin lief die Kommunikation überwiegend über die Briefpost. Morgens um 8:30 Uhr trafen sich die Geschäftsführer zum gemeinsamen Lesen der Briefe, die an G.A.Röders geschrieben wurden.

Die nächste Generation, Jasper und Eckhart Röders kam um 1950 in die Firma. Kurz danach erhielt Soltau den ersten Anschluß an die ganz neue Autobahn. Es gab mittlerweile über 4 Millionen Autos in Deutschland und beide Geschäftsführer besaßen einen Führerschein und fuhren gerne mit dem eigenen Wagen. Nun wurde das Reisen viel schneller und auch der Flugzeugverkehr nahm rasant zu. Besuche in Frankfurt oder Stuttgart wurden oft mit dem Flugzeug unternommen. Die Autobahn war nicht vollständig ausgebaut und der Zug war viel zu langsam. Erst 1971 änderte sich dieses mit der Einführung der Intercity Züge. Diese besaßen nur Wagen der ersten Klasse und fuhren alle 2 Stunden ab Hannover. Mein Vater hatte zeitweise eine „Jahreskarte“ und konnte dann überall einsteigen. Mit dem Auto fuhr man fortan oft nur bis zum Parkhaus in Hannover. Reisen wurde zur Dauerbeschäftigung. Kunden verlangten auch einmal kurzfristig technische Absprachen vor Ort und die persönliche Begegnung schaffte neue Netzwerke und Erkenntnisse. Oft blieb man über Nacht, denn zu einem guten Geschäftstreffen gehörte auch oft ein privates Essen am Abend. Mit dem Fall der Mauer wurde der Reiseradius noch erheblich vergrößert.

Für Andreas und mich (Gerd Röders) gehörte das Reisen zur Gewohnheit. Wir beide verbrachten schon während der Schulzeit ein Jahr in den U.S.A. und während der Ausbildung verbrachten wir Zeit auch im Ausland. Bei der Arbeit reisten wir fast jede Woche, zu Kunden, Lieferanten oder auch Verbänden. Viele Mitarbeiter fuhren ebenfalls kreuz und quer durch Deutschland. Unser Werk in Tschechien wurde regelmäßig besucht. Andreas fliegt, einige Mitarbeiter bevorzugen das Auto (es gibt jetzt knapp 50 Mio. Fahrzeuge in Deutschland) und ich liebe es den Nachtzug nach Wien zu nehmen. Bei den meisten Besuchen kehren wir am Abend wieder zurück. Heute wird auf ein Essen nicht mehr so viel Wert gelegt und viele unserer Kunden trennen scharf zwischen Arbeit und Feierabend. Zu Mittag gibt es oft Brötchen und bei Besuchen bei einem großen Automobilhersteller in Niedersachsen muss man seine Verpflegung am besten selbst mitbringen. Seit 1996 besitzen wir einen Internetanschluß. Mein Vater wollte damals, dass nur ich eine Email-Adresse bekomme, damit ich die Kommunikation steuern kann. Heute ist das unvorstellbar. Die Postrunde haben Andreas und ich irgendwann aufgegeben, da mit der Hauspost keine relevanten Informationen in die Firma gelangen.

Nun in der Pandemie waren und sind fast alle Reisen stark eingeschränkt. Mittlerweile hat jedoch das Internet eine nie geglaubte Qualität erreicht, die es Millionen Menschen gleichzeitig erlaubt, über Video zu kommunizieren. Jetzt sitzen viele Mitarbeiter in der Firma stundenlang mit Kopfhörern am PC und tauschen sich mit Kunden und Lieferanten aus. Oft scheint dies auch viel effizienter zu sein, wie sich stundenlang in Zügen oder auf der Straße herumzutreiben, um anschließend ein kurzes Gespräch zu führen. Trotzdem glaube ich, dass wir nach der Pandemie wieder verstärkt reisen werden. Am Ende ist der persönliche Kontakt zu den Menschen wichtig, wir sind soziale Wesen. Man muss sich „riechen“ können, um einander zu vertrauen und im persönlichen Gespräch erfährt man oft einige wichtige Informationen, die vermutlich in der Computerkonferenz so nicht ausgetauscht werden. Trotzdem wird es in Zukunft vermutlich viel mehr Gespräche ohne Reise geben. Die neuen Formen der Kommunikation haben sich etabliert und bieten viele Vorteile. Am Ende ist es auch umweltfreundlicher weniger zu reisen. Vielleicht schließt sich so der Kreis, denn wandern ist noch immer eine Leidenschaft in der Familie, wobei wir weniger unsere Produkte im Rucksack tragen…

 

Röders History - Lehr- und Wanderjahre

Lehr- und Wanderjahre des Georg Andreas Röders.

Georg Andreas Röders wird am 27.01.1816 im alten Familienhaus in der Marktstraße in Soltau als erstes Kind des Jasper Röders, der dort eine Zinngießerei betreibt, geboren.

Zunächst besucht er die Rektorschule vor der Soltaubrücke an der Marktstraße (heute Springhorn Optik). Neben und nach der Schule arbeitet er im Betrieb seines Vaters und erlernt so die Grundzüge des Zinngießerhandwerks.

1832 geht Georg Andreas mit 16 Jahren auf Veranlassung des Vaters, der selbst kein
Meister ist und deshalb nicht ausbilden darf, bei dem Zinngießer Engel in Verden in die vierjährige Lehre und besucht dort die gerade gegründete Realschule.

Dort erhalten Lehrlinge im Alter über 15 Jahre wöchentlich sechs Stunden Unterricht: Sonntags von 11 bis 12 Uhr Kalligraphie und von 13 bis 16 Uhr geometrisches und Ornamentzeichnen, mittwochs von 18 bis 19 Uhr Kopfrechnen und samstags von 18 bis 19 Uhr ausstellen von Quittungen, Rechnungen und Geschäftskorres-pondenz. Schreibmaterialien müssen selbstverständlich selbst mitgebracht werden, wie auch der Vater für die Lehre beim Meister, inklusive Unterkunft und Verpflegung, bezahlen muss.

In der Lehre lernt Georg Andreas neben der Fertigung von Zinngeschirr auch die Herstellung von Zinnfiguren und deren Gussformen in Schiefer. Das allgemein gebräuchliche Zinngeschirr kam zu dieser Zeit aus der Mode. Es wurde von billiger Keramik aus England verdrängt. Hingegen gab es einen zunehmenden Markt für Spielzeug und Dekorationsobjekte aus Zinn.

Sicher zuzuordnende Gussformen von Georg Andreas gibt es leider nicht. Im Museum Verden ist der Nachlass der Firma Engels verwahrt und ausgestellt. Darunter diverse Formen, die Georg Andreas hergestellt haben kann, leider ohne seine eigne Signatur.

Nach Abschluss der vierjährigen Lehre beantragt der nun zwanzigjährige Georg Andreas 1836, wie üblich bei der Polizeibehörde in Verden, ein Wanderbuch. Die Wanderjahre als Geselle waren eine zwingende Voraussetzung zum Erwerb des Meistertitels. Über Soltau und Celle läuft er nach Braunschweig und arbeitet dort bei einem nicht bekannten Zinngießer.

Nach Rückkehr von seiner Wanderschaft 1837 dient Georg Andreas ein Jahr als Soldat bei den Goslarer Jägern und geht dann noch einmal für ein Jahr auf Wanderschaft. Anschließend verpflichtet er sich noch einmal und dient sechs weitere Jahre im 1. oder Leibregiment in Hannover. Nach Feierabend in der Kaserne graviert er Gußformen für hannoversche Soldaten nach eigenen Entwürfen. Er war ein begabter Zeichner. Sein vorgesetzter Offizier war davon so begeistert, dass er ihn vom Dienst freistellte, damit er bei dem bekannten Hannoverschen Hofzinngießer Dubois seine Arbeiten fortsetzen konnte. Dort entstand auch die Szenerie „Hoffest im Leineschloß“. Wahrscheinlich legte Georg Andreas in Hannover seine Meisterprüfung ab, Unterlagen dazu, wie auch der Meisterbrief, sind leider nicht mehr vorhanden.